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bobiennale

Warmes Mausgrau

Ausstellung/Installation

Malerei und Lichtobjekte

Noch ist es kulturhistorisch unerforscht, ob Loriots „frisches Steingrau“ und das von Uwe Siemens zugespitzte „warme Mausgrau“ zu den erotisch aufgeladenen Nuancen der obskuren „Fifty Shades of Grey“ zählen. Der spielerische Ausstellungstitel „Warmes Mausgrau“ steht für die Genauigkeit, mit der Siemens einen eigenen Farbkanon als Grundlage seiner Kunst definiert und Farbe als konkrete Materie sowie als irrationalen sinnlichen Wahrnehmungsimpuls thematisiert.

Uwe Siemens ist in erster Linie ein leidenschaftlicher Maler. Im Kunstverein Bochumer Kulturrat zeigt er eine Reihe neuer informeller Gemälde auf großen und kleinen Formaten, die mit ihren in altmeisterlicher Lasurtechnik übereinander gelegten delikaten Farbschichtungen und fleckenhaften Strukturen als, Farb-, Assoziations- und Empfindungsräume, durch ihre Naturinspiration womöglich als „Farblandschaften“ apostrophiert werden können.

In seiner Malerei reflektiert Siemens zum einen die technischen Eigenschaften der verwendeten Materialien, insbesondere der Ölfarbe und Eitempera, zum anderen rezeptionsästhetische Aspekte: Was bewirkt Farbe in der Anschauung? Welche Empfindungen und Gedanken löst sie aus? Im Spannungsfeld der Gegensätze Kalkül – Intuition / Untermalung – Übermalung / Materialität – Immaterialität / Farbintensität – Farbreduktion / Oberfläche – Bildtiefe / Oberflächenlicht – Tiefenlicht / Opazität – Transparenz sind es außermotivische Aspekte wie Bildraum, Komposition, Mehrdeutigkeit sowie die Korrespondenz, Schichtung und Überlagerung von Farben, die Uwe Siemens konsequent beschäftigen.

Außer Gemälden präsentiert Siemens in seiner neuen Solo-Show einen Zyklus konstruktivistischer Collagen aus farbigen Papieren, eine räumlich installative Arbeit mit Holzplatten, die in unterschiedlichen Farbtönen – unter anderem in „warmem Mausgrau“ – monochrom bemalt sind, sowie sechs neu erbaute Lichtkästen mit seriellen Mustern, die er als grafische Extrakte den Legenden alter Bodenkarten entnahm.

Des weiteren hat Uwe Siemens im Keller zwei Ziegelwände antagonistisch bemalt, mit denen er weitere Fragen über Malerei und Farbwirkung aufwirft: Ist Pantone 448C tatsächlich die hässlichste Farbe der Welt? Wie verändern lasierend über Tannengrün gelegte Blautöne die Profanität einer Mauerfläche? Und ist das überhaupt ein Bild oder nur ein Anstrich?

 

Laufzeit: 13. Mai – 22. Juni 2017

Sonderöffnungszeiten während der BoBiennale:
Fr., 9. Juni: 19–24 Uhr
Sa., 10. Juni: 14–18 Uhr
Sa., 11. Juni: 14–18 Uhr

Reguläre Öffnungszeiten:
Di. 15–18 Uhr
Do. 18–20 Uhr