Programm

BoBiennale // Programm

bobiennale

Der Meteor

Literatur

Über Liebe, Irrwitz, Verrat, Glück, Pappeln, Leben und Tod!

Roman von Karel Čapek (1890-1938).

Wir hören Auszüge aus dem vielschichtigen Werk des berühmtesten tschechischen Autors des 20 Jahrhunderts.
Es wird gelesen, gespielt und erzählt!

Realisation : Martina Eitner-Acheampong

 

 

Die Namen Josef und Karel Čapek waren mir aus der Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Bochumer Museumschef Peter Spielmann vertraut, der, als gebürtiger Tscheche, stets ein Augenmerk auf die beiden Brüder aus seiner Heimat gelegt hatte. Wobei Josef als Maler in einem Museum natürlich den Vorrang gehabt hatte.

Die Lesung am Sonntag im Rahmen der BoBiennale gab mir nun einen Einblick in das literarische Werk von Karel Čapek. Angekündigt war Martina Eitner-Acheampong, die Passagen aus Čapeks Romantrilogie „Der Meteor“ rezitieren würde. Doch Martina kam nicht allein in die Rottstr5-Kunsthallen, Alan Acheampong am Schlagzeug und die Puppenspielerin Sara Hasenbrink unterstützten sie bei ihrem furiosen Vortrag, der mal erzählend, mal anteilnehmend, mal aufgeregt, den Linien des Romans folgte, der der Vieldeutigkeit der Realität und der Wahrheit nachspürt. Nonne, Hellseher und Dichter spielen darin wichtige Rollen.

Während der Lesung, der man gern zuhörte, steuerte Alan Acheampong Hintergrundklänge bei, unaufdringlich, genau gesetzt. Zunächst glaubte der Zuschauer, auch Sara Hasenbrink sei nur auf eine dezente Nebenrolle verpflichtet, bis die schwarz gekleidete Frau begann, sich in langsamen Bewegungen den Kopf mit einer schier endlosen Mullbinde zu umwickeln: die Lesung erhielt dadurch eine seltsam unwirkliche Anmutung.

Schließlich verwandelte sich der aufgewickelte Rest des Mullbinde plötzlich zu einem sprechenden Kopf, der der Vorleserin akustisch assistierte: ein geradezu beklemmendes Erlebnis, das die Einsicht von Fidena-Chefin Annette Dabs bestätigte, dass beim Figurentheater aus allem alles werden kann. Solcherlei Eigenwilligkeiten gaben der stimmigen Nachmittags-Vorstellung das besondere Flair – abgesehen von meiner Freude, nun endlich auch den Schriftsteller Karel der Brüder Čapek mit einem seiner Werke kennengelernt zu haben.

Werner Streletz
Schriftsteller und Kulturjournalist