Der öffentliche Raum als erweiterte „Atelier, Labor und Bühne" 2

Performance

Mein Vorhaben ist die Realisation einer Performance im öffentlichen Raum. Mit Hilfe der Performance Kunst möchte ich den öffentlichen Raum temporär besetzen und Straßen oder Baulücken und Brachen revitalisieren.

Jede*r Bürger*in, egal ob eingeladen oder zufällig, ist die Kunst zugängig, ohne davor erst in die Galerie oder das Museum gehen zu müssen. Atelier, Labor, öffentliche Präsentation und Lebensraum fallen hier als Experiment zusammen und durch die Diversität der Performance Kunst können vielschichtige Facetten, Räume und Materialien in einen neuen Zusammenhang gebracht werden.

Die spezifischen Situationen, Gegebenheiten und sich entwickelnden Konstellationen, denen ich mich als Künstlerin gegen über dem „zufälligen“ Publikum stellen muss, ist nicht nur eine große Herausforderung, sondern auch von großer Bedeutung, die ich mich im Rahmen des Projektes gerne stelle.

Meine Performances sind eine Auseinandersetzung mit alltäglichen Materialien und den gegebenen Räumlichkeiten/Orten sein. Die Materialien, die ich hier verwenden werde, suche und finde ich im alltäglichen Leben. Die Materialien werden aus ihrem eigentlichen Gebrauch dekontextualisiert und mit neuen divergenten Eigenschaften versehen.

Anhand ihrer Elastizität, ihres Volumens und ihrer Maße können die Materialen neu kombiniert werden. Hierbei spiele ich in der Momenthaftigkeit mit Eigenschaften des Ekels, der Erotik, des Scheiterns, der Sensibilität und der Konstruktion von Genderverhältnissen. Ich möchte in der offensichtlichen Fremdartigkeit dieses Ortes Grenzen und körperliche Eigenheiten erforschen und sichtbar machen.

Mit meinen Performances bin ich auf der Suche nach einer direkte Begegnung zwischen mir, der gegebenen Situation und dem ausgewählten Material. Dabei verfügt das von mir ausgewählte Material über eine gewisse Offenheit, ein bestimmtes Thema zunächst auf einer emotionalen, dann auf einer abstrakten oder intellektuellen Ebene zu berühren und schließlich die Schönheit des Hier und Jetzt herauszuarbeiten.

Ich spreche mit meinem Körper, mit jenen Materialien und deren Bewegungen und erschaffe eine Plattform der Kommunikation in Raum und Zeit. Auf Grund der Tatsache, dass die Möglichkeit des Scheiterns oder unerwartete Hindernisse bestehen, erzeuge ich eine auf das Visuelle fokussierte Wahrnehmung, die in ihrer Einfachheit einen poetischen, humorvollen als auch magischen Moment in sich trägt.

Meine Intention ist es, die normalen Seh- und Wahrnehmungsmechanismen fern von kulturellen Prägungen zu beeinflussen und einen neuen "Raum" zu schaffen, der uns unsere Vielfältigkeit im Sehen bewusst werden lässt. Mit meiner Performance möchte ich Phänomene der Merkwürdigkeit und Eigenartigkeit sichtbar machen und auf die Schönheit des Einfachen hinweisen.

- Marita Bullmann