Protector

Die Nomaden Zentralasiens sind sehr eng mit der Natur verbunden und kennen die wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen der Tier- und Pflanzenwelt, der Landschaft, der Witterung und der Jahreszeiten. Sie glauben daran, dass jeder Ort, jeder Berg und alle Flüsse ihre eigenen Beschützer haben, bei denen es sich um Gottheiten handelt, mit denen man respektvoll umgehen und vor denen man sich hüten muss. Es wird immer versucht, der Natur möglichst wenig zu schaden. Falls man den Beschützer des Orts ärgert, kann es sehr gefährlich werden, man kann zu Schaden kommen, einigen Menschen kann es das Leben kosten.

Manche Orte nennt man ‚zornig‘ und man sollte möglichst nicht hingehen, weil dort viele Unfälle und Unglücke geschehen. Wenn man dennoch unbedingt an diesen Orten vorbeifahren muss, so muss man eine Art Ritual vollziehen und den jeweiligen Beschützer um Vergebung bitten.

Eine Erziehungsmethode für kleine Kinder besteht darin, den Beschützer als Felsenmonster zu bezeichnen, damit die Kinder keine Äste von den Bäumen abbrechen oder den Fluss nicht verunreinigen. Falls sie dies dennoch tun, dann sagt man zu den Kindern „Das Felsenmonster kommt, um dich zu holen.“

Mich fasziniert dieser Glaube, der vielleicht zunächst abergläubisch wirkt, dann aber dennoch eine gewisse Realität besitzt und die Menschen an respektvollen Umgang mit der Natur gemahnt.
Für die BoBiennale in Bochum habe ich aus diesem Glauben heraus eine Arbeit für den Tunnel entwickelt. Den Eingang des Tunnels soll ein durchsichtiger Vorhang bedecken, durch den die Besucher den Tunnel betreten können. Auf den Vorhang aus halb-durchsichtiger Mash-Plane wird ein Beschützer bzw. ein Felsenmonster gedruckt, das ich selber aus meine Fantasie und in Anlehnung an zentralasiatische Darstellungen dieser Gottheiten entwerfe. So bekommt der Tunnel einen eigenen Beschützer-Gott, der alle Besucher, die den Tunnel betreten, in seinem Maul verschlingt.

 

Skizze: Javkhlan Ariunbold Skizze: Javkhlan Ariunbold