Sightseeing 302

Ausstellungeröffnung am Kiosk

Wattenscheid, Stadt meiner Kindheit und Jugend. Für die Arbeit komme ich oft hierher, auf die Friedhöfe, Schriften in Grabsteine hauen. Mein Vater hat hier viele Häuser gebaut, meine Tante Helga wohnt hier, eine Freundin hat ihre Mutter und ihren Schrebergarten im Stadtteil. Also immer wieder mal Wattenscheid. So hässlich, so vertraut. Und jetzt zieht mich ein Kunstprojekt hierher. Die bobiennale hat den Bismarkplatz entdeckt. Liegt an der Straßenbahnlinie 302. Mein Thema.

Ich bewege mich vom August-Bebel-Platz die Hochstraße und die Bochumer Straße entlang. Zunächst einmal bis zum Centrumsplatz. Dann weiter zum Bismarkplatz. Der Bereich zwischen Bochumer Straße und Hansastraße weist stellenweise noch schönen alten Häuserbestand auf, ebenso wie die Fußgängerzone in der Wattenscheider City. Die schönen Fassaden stehen im krassen Gegensatz zum sonstigen Stadtbild und zur alltäglichen Anmutung dieses Teils von Wattenscheid. Felder gibt es auch. Recht typisch für die Gegend. Spaziergänge, Spazierfahrten, Fotosafaris, Stöbern in den Hinterlassenschaften von Schäfer und Steffens, dem Büro meines Vaters und seines Partners. Viel Material. Es ist da und will beachtet werden.

Schönheit liegt im Verborgenen, jenseits der Oberfläche. Und in vielen Städten wäre nicht auszuhalten, wenn wir uns nicht darauf besinnen und nach diesen Details schauen würden. Spiegelungen in einer Fensterscheibe, Ornamente, skurrile Menschen oder auffällige Beschriftungen auf Schildern oder Läden. Zum Lachen, zum Weinen, zum Weglaufen. Aber ich bin noch da.

Durch eine Sammlung von  Bildern und das Eintauchen in meine Geschichte nähere ich mich dem Zwiespalt zwischen Hässlichkeit und Verfall und der Verbundenheit mit der Heimatstadt. Warum? Weil's dran ist und spannend.
Die Ergebnisse meiner Arbeit seht ihr am Kiosk am Platz.

- Dorothee Schäfer